Vergebung als Chance
Kein Mensch bekommt eine Garantie, dass er vor Unrecht verschont wird. Wo Menschen zusammenleben, «geschehen» Verletzungen - bewusst oder unbewusst. Verletzungen seelischer Art nagen oftmals so lange, bis sie geklärt sind. Sie lähmen das Gemüt und rauben wichtige Perspektiven. Was nicht direkt angesprochen wird, kann sich zu einem schier unüberwindbaren Berg entwickeln. Soweit darf es nicht kommen, denn von Verletzungen profitiert definitiv niemand!
Statt Verbitterung zuzulassen, Vergebung fördern
Vergebung ist keine leichte Sache, besonders dann nicht, wenn schwerwiegende Missbräuche vorliegen oder Menschen gezielt ausgenutzt wurden. Bei schweren Vergehen ist fachmännische Hilfe zwingend notwendig! Trotzdem hat Vergebung etwas Gewinnbringendes –für denjenigen, der vergibt. Alles, was nicht geklärt wird, belastet und wird bis ins Alter «mitgenommen». Menschen, die nicht vergeben haben, laufen Gefahr, immer mehr zu verbittern. Sie beharren auf ihr subjektiv wahrgenommenes Recht. Verbitterung ist wie eine unsichtbar angezogene Handbremse.

Statt Verbitterung zulassen, Konflikte austragen und Vergebung fördern
Brücke von der Vergangenheit zur Zukunft
Vergebung bedeutet Schritt für Schritt loslassen. Auch kleine Schritte sind ein Fortschritt, stillstehen hingegen nicht. Es geht darum, sich auf das konzentrieren zu können, was vor einem liegt. Ohne Belastung, Verbitterung und Hassgedanken. Ich darf mir selbst so wichtig sein, dass ich mich nach vorwärts orientiere. Ohne Ablenkung und ohne angezogene Handbremse, sondern unbelastet mit immer neuer Kraft und lohnenswerten Perspektiven. Vergebung bildet eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft und macht es möglich, das «Schneckenhaus der Verletzung» zu verlassen und sich auf neue, tragfähige Beziehungen einlassen zu können.
Vergebung ist keine billige Gnade, und erst recht keine Möglichkeit, Gewalttaten oder Missbrauch rückgängig zu machen. Sie ist ein Angebot, das Leben trotz Schwerem zu meistern. Sie ist das Tor und der Anfang eines gangbaren Weges, der neues Leben ermöglicht.
© Christlicher-Glaube.ch - 18.07.2011 (ar)
Radiosendung zum Thema Vergebung
Heidi Fischer ist zusammen mit ihrem Mann Urs auf der Hochzeitsreise in Mexiko. Das frisch verheiratete Paar will mit einem Greyhound-Bus nach Mérida reisen. Da hört Heidi eine innere Stimme, die sagt: «Fahr nicht. Ihr kommt nicht in Mérida an.» Trotz des unguten Gefühls und des Gesprächs mit ihrem Mann besteigt das Paar den Bus. Die riskante Fahrweise des Chauffeurs führt zu einem tragischen Unfall. Zurück bleiben Tote und Schwerverletzte, darunter Heidi Fischer. Sie wird mit schweren Hüft-, Bein- und Armverletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Mit zwei Notoperationen wird sie «reisetauglich» gemacht. Das Verrückte: Die Ärzte glauben ihr nicht, dass unter dem Gips noch ein offener Bruch auf eine richtige Behandlung wartet und lassen sie elf lange Tage liegen. Heidi Fischer muss sich später unglaublich vielen Folgeoperationen unterziehen. Ihr Zorn auf das Pflegepersonal wird immer grösser. Sie spürt, dass sie sich entscheiden muss, mit welchen Gefühlen sie zukünftig weiterleben will. Ob mit oder ohne Vergebung, ihr zukünftiges Leben wird davon geprägt werden.
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